Monat: August 2017

Gastbeitrag – Wie mal alles begann

Hallöchen,

heute habe ich mal einen anonymen Gastbeitrag einer guten Freundin von mir, den cih hier veröffentlichen darf. Natürlich haben wir den Anonymität zuliebe alles Namen abgeändert und nennen meine Freundin einfach mal „Gabi“. Gabi hat ein aufregendes Leben hinter sich aber liest selbst, wie sie schwanger wurde:

Wild und frei! Ja, meine lieben Mädchen, das war ich, bevor ich Euren Papa kennenlernte oder so sah ich mich gerne. Dass es da manchmal einen feinen Unterschied gibt, werdet Ihr noch erfahren. Und das ist gut so. Aber ich greife vor. Also, Kinder, meine Zwanziger hatte ich damit verbracht, durch Europa zu ziehen und war schließlich in Hamburg gelandet.

Meine Beziehungen waren polyamourös, queer und offen. Fragen zu „Blow-Job-Techniken“ beantwortete ich genauso enthusiastisch wie zu agiler Software-Entwicklung. Sexpositiv und frauenbewegt gründete ich Porno-Zirkel und hielt neben „Laura Méritt“ Workshops auf Kunst-Festivals, die sich mit dem Thema „Sexualität“ auseinander setzten. Ich traf mich regelmäßig mit Freunden zu Orgien an entlegenen Orten Europas. Das Wort „Schlampe“ galt in meinen Kreisen als Kompliment.
Ich lebte zusammen mit meinem besten Freund und Kater in einer Wohnung mit Garten am Stadtrand. Unsere Beziehung war alles andere als leidenschaftlich, aber getragen von einem tiefen, grundlegenden Verständnis. Eigentlich lief das alles ganz okay für mich, so im Nachhinein betrachtet. Und dann tat ich etwas, was alle schockierte: Ich wurde schwanger von einem beinahe Fremden und ich entschied mich für das Kind.

Euer Vater war ein Abenteuer. Er ist es immer noch. Der längste und wildeste Ritt meines Lebens begann, wie viele meiner besten Geschichten, auf der Langen Reihe im Hamburger Stadtteil St.Georg. Honig, Granatapfel-Splitter und Gin. Überall Goldflitter. Es war Weihnachten. Ich war genervt von all der Heimeligkeit und der Enge. Ich wollte ausbrechen. Familienfeste sind nicht meine Stärke.

Wir trafen uns in einem kleinen, arabischen Restaurant. Ein Blinddate. Ich kam gerade vom Sport. Damals ging ich noch mehrmals in der Woche ins Fitness-Studio und hatte trotzdem ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht täglich trainierte. Pfff!

Ich war verschwitzt, irgendwie gehetzt und fühlte mich nicht richtig angezogen. Und tatsächlich meinte ich einen Funken Enttäuschung in den Augen auszumachen, als wir uns gegenüberstanden. Ihr könnt so viel holistisch atmen, wie ihr wollt, Mädels! All das Hecheln und Erden Eurer Wurzelchakren wird Euch nicht vor diesem Moment essentieller Unsicherheit bewahren, wenn Ihr Euch der vermeintlichen Ablehnung eines fremden Menschen aussetzt. Und auch das ist gut so!

Jedes Mal, wenn ich Dir zusehe, meine große Tochter, wie Du Dich in der Sandkiste vor einem unbekannten Kind aufbaust, um ihm Dein Spielzeug anzubieten, bete ich, dass Du Dir diesem Mut bewahrst. Du machst das so gut!

Denn nur so begegnen wir einander. Nur so erfahren wir, dass manche Menschen bleiben. Euer Vater blieb und fing an, anzugeben, dass sich die Balken bogen. Er erzählte mir von der großen Welt, die er bereist und all den Erfolgen, die er eingestrichen hatte. Da war es an mir zu bleiben.

Mirko mochte meine Augen, glaube ich. Er sagt mir solche Sachen nicht, aber ich sehe wie er Euch ansieht. Ihr habt sie beide geerbt, meine blauen Strahler. Und wie er Euch so betrachtet, bin ich mir sicher, es waren meine Augen, die ihn zum Bleiben bewogen. Wir zogen weiter in eine Kneipe, in der der schwule Kellner mindestens so betrunken war wie wir selbst. Er war Pole und erzkatholisch. Ein ums andere Mal erklärte er Mirko, auf mich müsse er ganz besonders aufpassen. Fremdschämen und ein Hauch Koketterie mit dem ungeliebten Weibchen-Schema. Der Abend endete, indem ich Mirko küsste. Dann setzte ich mich ins Taxi nach Hause. Kurz darauf lud mich Mirko zu sich nach Hause ein. Lasagne und Wein. Jede Menge Wein.

In 15 Jahren, in denen ich sexuell aktiv war, hatte ich drei Mal auf ein Kondom verzichtet. Meine Pubertät in den 90er Jahren fiel zusammen mit den ersten „Safer Sex Kampagnen“. Der Film KIDS lief im Kino. Die AIDS-Problematik hat mich geprägt. Sex ohne Kondom war für mich ein Tabu. Warum ich’s an diesem Abend mit Mirko brach? Aus Neugier. Aus Übermut. Aus Lust. Aus Unvernunft. Danach lagen wir im Bett und sprachen über Kinder. Vielleicht war einfach die Zeit reif. Ich blieb bis zum nächsten Abend. Es fühlte sich selbstverständlich an.

Du, meine Kaiserin, warst als erstes ein Gedanke, der sich festgesetzt hatte. Ein „Was-wäre-wenn“, das nicht mehr verschwinden wollte. Oder warst Du doch mehr ein Gefühl, eine Unsicherheit, die blieb? Ein „Kann-nicht-sein“ und ein „Oder-doch“. Zwischen zwei Sitzungen mit der Finanz-Abteilung und der Entwicklung warst du dann ein Wort. Auf den Toiletten meines Arbeitgebers schaltete sich das Licht aus, wenn man sich eine Weile nicht bewegte. Ich muss ziemlich lange dort gesessen haben, um auf das Display des Schwangerschaftstest zu starren.
„Gleich“, dachte ich. „Gleich taucht das entscheidende Wörtchen auf.“ Gleich steht da: „Nicht schwanger.“ Ich saß da, bis es klopfte. Eine Kollegin holte mich zum nächsten Termin. Sie fragte mich, ob alles okay sei. Ich antwortete: „Ja.“ Das war es doch, oder? Ich hatte verhütet, war ganz sicher gegangen. Die Hormon-Spritze. So sicher wie nichts anderes. Das war ein Fehler. Das musste ein Irrtum sein. Das redete ich mir ein und fühlte doch, dass es keiner war.

Das Taxi brachte mich von der Arbeit zu Mirko. Wie wäre unsere Geschichte weiter gegangen, wenn ich erst nach Hause gefahren wäre? Was wäre gewesen, wenn Mirko nicht auf meine Nachricht reagiert hätte? Vermutlich wäre heute alles anders. Oder? Mir gefällt die Vorstellung, dass alles auf ein bestimmtes Ziel hinläuft. Der Gedanke, dass wir alle an dem Ort sind, an dem wir sein sollen. Dass alles gut ist, wie es ist.

Mirko saß mir gegenüber und blieb ganz ruhig. Dann strahlte er und umarmte mich. Es ist diese bedingungslose Akzeptanz, die ich an ihm so bewundere. Es ist die Energie, mit der er sich in alles Neue schmeißt und es ist der absolute Wille, das Seine zu beschützen, die ich von diesem Moment an liebte.
Es ist die Distanz, die er zu den Dingen einnehmen kann, die mich seitdem verunsichert. Es ist die Müdigkeit, die mich überkommt, wenn sich am Horizont schon wieder die nächste Änderung andeutet und mein Widerwillen mich vereinnahmen zu lassen, die es manchmal so schwierig machen.

Wir lernten uns in dem Maße kennen, in dem ihr gewachsen seid. Es gibt einfachere Voraussetzungen. Deine Geburt, Kaiserin, erlebten wir zu Dritt. Ich lebte damals wieder mit meinem Freund zusammen. Als Papas Eltern Dich zum ersten Mal in den Armen nahmen, war wieder alles in der Schwebe. Dann kam der Umzug, die zweite Schwangerschaft und die Auswanderung. Unsere Jüngste trägt unter anderem den Namen Hoffnung. Auch das ist kein Zufall. Es ist die Hoffnung, dass wir weiter wachsen, aneinander und als Familie, die uns trägt.

Elias Alexander

Hallo ihr Lieben,

“wenn Träume Hand und Fuß bekommen und aus Wünschen Leben wird, dann kann man wohl von einem Wunder sprechen.”

Unser zweites Wunder, Elias Alexander, erblickte am 23. Juli 2017 um 2.44 Uhr mit einem Gewicht von 3590 g und einer Länge von 53 cm das Licht der Welt.

Wir sind überglücklich und stolz.

Inzwischen ist der kleine Schatz gute zwei Wochen bei uns und langsam spielt sich hier alles ein. Man braucht einen ganz neuen Rhythmus mit zwei Kindern. Man braucht nicht nur eine gefühlte Ewigkeit, bis man aus dem Haus komm, sondern hat ständig das Gefühl man würde verreisen, weil man so viele Sachen mit sich schleppt. Isabella liebt ihren Bruder über alles. Es ist so schön zu sehen. Sie will ihn immer küssen und kuscheln. Von der “Bilderbuchfamilie” sind wir allerdings noch entfernt. Es fehlt Routine. Außerdem kann man sich nicht einfach jeder Zeit hinlegen und den versäumten Schlaf aus der Nacht nachholen, denn wenn der Zwerg endlich schläft – der kleine Schatz kämpfte in den ersten Tagen mit Bauchweh – möchte die Große Aufmerksamkeit. Alles muss Mama machen und probieren. Außerdem will sie überall dabei sein. So anstrengend es auch ist, so schön ist es auch. Ich freue mich auf die Zeit und die Herausforderungen, die vor uns liegen.

Geburtsbericht

Nachdem ich lange auf Wehen warten musste, Elias ist schließlich “erst” bei SSW 40+3 geboren, hatte ich am Mittwoch, den 22. Juli, “endlich” von allein leichte Wehen, ich bin immer so ungeduldig. 🙂 Mittags, bei dem Kontrolltermin, waren die Wehen sogar schon gut auf dem CTG sichtbar. Meine Hebamme prophezeite mir eine baldige Geburt, wenn es dabei bliebe. Ihr könnt euch meine Enttäuschung vorstellen, als die Wehen gegen 14 Uhr bereits wieder verschwunden waren.

Abends war ich mit meiner Hebamme zur Akupressur verabredet. Da seit etwa 17 Uhr die leichten Wehen allerdings zurück waren, kontrollierte sie meinen Zustand zunächst mit einem CTG. Schnell war klar, dass es statt Akupressur eine Geburt geben würde. Also rief ich Papa Pino an, dass er mich abholen und wir ins Krankenhaus fahren müssen – die Wehen kamen bereits alle 7 Minuten.

In der Klinik angekommen, wurde ich erneut ans CTG angeschlossen (ca. 21 Uhr) und währenddessen aufgenommen, der Abstand verkürzte sich in diesen eineinhalb Stunden auf zwei bis viel Minuten und wurden langsam aber sicher wurden die Wehen sehr unangenehm und schmerzhaft. Jetzt begann die schlimmste Phase in dieser Geburt für mich. Das Klinikpersonal befand sich im Schichtwechsel, so dass weiter Maßnahmen und Wünsche, wie Bad und PDA, etwas warten mussten. Zum Schluss dieser Phase war es mir nicht mehr möglich die Wehen richtig zu atmen. Ich habe nur noch gejammert und gemeckert und konnte mich nur noch schwer konzentrieren. Als dann “endlich” die PDA lag (ca. 0.30 Uhr), gebadet habe ich nicht mehr, war die Geburt einfach nur noch entspannt. Ich konnte so super für den kleinen Mann atmen, dass er bestmöglich mit Sauerstoff versorgt wurde, was für ihn die Geburt so angenehm wie möglich machte. Durch die PDA war ich dieses Mal völlig schmerzfrei und konnte den Druck ziemlich lange ertragen. Die Hebamme in der Klinik sagte uns, je länger ich den Druck halten könne und je langsamer “wir” dann pressen würde, desto kleiner wäre das Risiko, dass “etwas” kaputt ginge. Schließlich war unser Sonnenschein um 2.44 Uhr nach langen 40 Wochen des Wartens endlich in unseren Armen.

Bis zum nächsten Mal

Die ersten Wochen zu viert

Hallöchen ihr Süßen,

Elias ist inzwischen gute 6 Wochen alt und bei uns laufen die Uhren immer noch anders. Ich springe von Kind zu Kind, von Projekt zu Projekt und von Treffen zu Treffen.

Damit ich überhaupt mal wieder was zum Besten geben kann und ihr mal wieder ein Update bekommt, schreibe ich inzwischen Satz für Satz in jeder freien Minute. Dann muss ich vorm Posten nur noch alles in Form bringen und Bild zufügen. Schon verrückt, wie so ein kleiner Schatz alles durcheinander bringen kann. ☺️ So liege ich hier nun im Bett, das eine Kind an der Brust das andere im Rücken und verfasse ein paar Zeilen.

Um Isabella die nötige Beschäftigung zu verschaffen, sind wir in Spiel- und Bastelgruppen, Treffen uns mit anderen Mamis auf Spielplätzen oder privat, gehen zum Eltern-Kind-Turnen und vieles mehr. Die kleine Prinzessin blüht richtig auf und findet sich in ihrer neuen Rolle als “große Schwester” inzwischen gut zurecht. Sogar das Einschlafen klappt wieder, naja meistens.

Der kleine Mann machte uns in den ersten Wochen seines Lebens auch ein paar Sorgen. Er lies sich überhaupt nicht ablegen und hatte Probleme mit dem Einschlafen. Seitdem wir am Montag beim Ostheopaten waren und Blockaden in der einen Schulter gelöst wurden, ist es zum Glück alles  entspannter mit dem Zwerg. Er schläft gut und “spielt” auch mal ein paar Minuten allein. Es müssen ja nicht immer Blockaden sein, die die Zwerge quälen und es ist auch klar, dass so kleine Würmchen noch viel Nähe brauchen. In Elias Fall war die Behandlung Gold wert.

Mittlerweile haben wir die Bilder von unserem Neugeborenen-Shooting bei der bezaubernden Nina Lieth bekommen. Ich bin total begeistert. Bereits das Shooting selbst war toll. Nina ist Hebamme und selbst Mutter von zwei Kindern. Man fasst sofort Vertrauen und sie geht besonders behutsam und liebevoll mit den Minis um. Außerdem lässt sie sich super viel Zeit, man hat nicht das Gefühl gehetzt zu werden. Wir waren gute 4 Stunden bei ihr. So war genug Zeit zum Stillen und Wickeln, verschiedene Motive auszuprobieren und die Kinder bei Laune zu halten. Anschließend bearbeitet Nina die Bilder noch, um trockene Hautstellen oder andere kleine Hautunebenhalten verschwinden zu lassen. Und das Ergebnis ist der Knaller

Ich bin sehr glücklich, dass dieses Mal die Bilder so schön geworden sind. Bei Isabella sind wir ja leider an die Falschen geraten.

In der zweiten Jahreshälfte fallen bei uns in der Familie immer viele Geburtstage an, so dass ich gerne etwas im Voraus plane. Zur Zeit bespreche ich mit unserem Pastor Details für Elias Taufe. Allein ein passendes Datum zu finden scheint eine besondere Herausforderung zu sein. Geplant ist ein harmonischer Nachmittag mit den Liebsten, mit einer tollen Torte und anderen selbstgemachteb Leckereien. Abends soll es noch ein großes Familienabendbrot geben, mit Brötchen und allem was das Herz gegehrt. Habt ihr Idee für einen unvergesslichen Tag im engsten Familienkreis?

Desweiteten arbeite ich an dem Projekt neues Heim. Euch ist sicherlich aufgefallen, dass Elias noch kein eigenes Zimmer hat. Das wird auch vorerst so bleiben. Wir werden nämlich im nächsten Jahr bauen und dann bekommt der kleine Mann ein super Jungszimmer, das keine Wünsche offen lässt. Aktuell arbeiten wir an dem perfekten Grundriss. Gar nicht so einfach alle Wünsche umzusetzen und am Ende nicht mit 300 m2 dazustehen. Wir wünschen uns ein Heim mit 3 Kinderzimmern. 😉